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Dein Weg ins Ausland: Erasmus, DAAD & Co. erklärt

Du möchtest unbedingt ins Ausland, blickst aber bei den ganzen Möglichkeiten nicht durch? Was ist die beste Wahl für fachliche Weiterentwicklung und wo kann man welche finanzielle Unterstützung erhalten? Wir stellen Dir hier verschiedene Mobilitätstypen vor:

 

 

Disclaimer: Behalte im Hinterkopf, dass wir nur von unseren persönlichen Erfahrungen berichten. Schaue für aktuelle Informationen immer auf den Websites der jeweiligen Einrichtungen oder Deiner Hochschule nach.


Erasmus+ Auslandssemester

Das Auslandssemester ist wohl das bekannteste Format, um als Studierende:r ins Ausland zu gehen. Doch wie läuft die Bewerbung ab und was muss man beachten?

 

Bewerbung und Planung: Frühzeitig starten!

Typischerweise sollte man 6 – 9 Monate Vorlauf einplanen, besser noch ein Jahr. Ich habe mir bereits im November 2021 Gedanken gemacht und mich vom International Office meiner Heimatuni (Göttingen) beraten lassen. Die Empfehlung: Im Wintersemester gehen, damit es nicht zu Überschneidungen zwischen Studienbeginn im Ausland und Prüfungsphase in Deutschland kommt. Also entschied ich mich für das WiSe 2022/23, wählte drei Partnerunis aus der Datenbank und bewarb mich bis zum 31. Januar 2022.

Die Bewerbung lief über eine Online-Plattform (Mobilitäts-Portal). Gefordert waren: eine aktuelle Immatrikulationsbescheinigung, ein Sprachnachweis (mindestens B2) und ein Motivationsschreiben mit persönlicher, fachlicher und finanzieller Planung. Meinen Erstwunsch Lund (Schweden) bekam ich nicht. Eigentlich wurde mir mein Zweitwunsch Helsinki (Finnland) zugewiesen. Nachdem ich aber die Bilder von Ghent (Belgien) im Internet gesehen hatte (und wegen meiner Flugangst), habe ich schnell meine fakultätsspezifische Erasmus-Ansprechpartnerin kontaktiert und gefragt, ob in Ghent noch ein Platz frei sei. Und tatsächlich hatte ich Glück! So bin ich letztlich in Ghent gelandet. Und es war die beste Entscheidung meines Lebens! Mein Tipp daher: Bei Änderungswünschen das persönliche Gespräch suchen.

 

Learning Agreement: Die Basis für Dein Studium

Nach Annahme des Platzes wurde ich bei der Partneruni angemeldet. Neben einem weiteren Motivationsschreiben war das Learning Agreement entscheidend – eine Vereinbarung über die Kursauswahl zwischen Dir, Partner- und Heimatuni, die von allen drei Teilen unterschrieben wird.

Mein Rat: Schau frühzeitig in den Kurskatalog des Vorjahres! Ich habe mir rechtzeitig alle Kurse mit Zeiten heruntergeladen, was sich auszahlte: Ab einem bestimmten Zeitpunkt waren die Kurszeiten online nicht mehr einsehbar. So konnte ich einen zu 100 % passenden Stundenplan erstellen und musste nichts während des Semesters ändern und mir wurden alle Kurse angerechnet.

Auch Katja, die ihr Auslandssemester in Oviedo (Spanien) machte, betont: „Der Studienplan stellte sich als ganz schön aufwendig heraus, da ich mir die meisten Kurse gerne anrechnen lassen wollte. Ich bin zwischen den Kursbeschreibungen hin und her gesprungen, um passende Äquivalente zu finden. Letztendlich bereue ich die Arbeit aber nicht – die Anrechnung war dadurch nach meiner Rückkehr nur noch eine Formsache.“

Finanzen und Formalitäten: Vorgaben einhalten!

Für die Erasmusförderung musste ich einen Fragebogen ausfüllen und nachweisen, dass ich eine auch im Ausland gültige Unfall- und Haftpflichtversicherung besitze – Voraussetzung für die finanzielle Förderung! Vor Ort gibt es dann weitere verpflichtende Formalitäten: Das „Certificate of Arrival“ bestätigt Deine Ankunft und löst die Auszahlung der ersten Rate aus. Am Ende brauchst Du das „Certificate of Stay“ plus einen Online-Survey, Erfahrungsbericht und ein Transcript of Records. Um die volle Förderung zu erhalten, musst Du zudem eine bestimmte Anzahl an Credits nachweisen (bei mir 22 von 30) – quasi als Nachweis, dass Du wirklich studiert hast.

 

Wohnungssuche: Der Zeitdruck ist real!

Was wirklich knapp bemessen war: Die Zeit zwischen offizieller Immatrikulation und Wohnungssuche. Ich konnte mich nur mit Immatrikulationsbescheinigung bei den Wohnheimen bewerben, die mir von Ghent aber erst im Juni ausgestellt wurde – zu spät für einen Wohnheimplatz. Ich landete in einem Airbnb-Langzeit-Rental – leider deutlich teurer als ein Wohnheim. Meine gesamte Erasmusförderung ging fürs Wohnen drauf. Zum Glück konnte ich meine Göttinger Wohnung untervermieten und so doppelte Miete vermeiden.

Katja machte ähnliche Erfahrungen: „Für die Bewerbung war ausreichend Zeit, aber zwischen Bekanntgabe und Start war der Zeitraum meiner Meinung nach sehr knapp für die Wohnungssuche.

 

Studieren im Ausland: Smart planen, Freizeit genießen!

Nun denkst Du bestimmt: So viel Papierkram und dann noch büffeln? Wie soll ich da Land und Leute kennenlernen? Mein Tipp: Wähle Kurse, die anrechenbar sind und Dir leichtfallen. Bei mir behandelten 2 – 3 Kurse Themen aus meinem Bachelor. Zudem bestand mein Stundenplan zu 100 % aus Vorlesungen ohne Anwesenheitspflicht. Die ein oder andere habe ich ausfallen lassen für ein verlängertes Wochenende. Wenn Du clever planst, bleibt definitiv genug Freizeit!

Dazu kommen die Erasmus-Freizeitangebote exklusiv für Austauschstudierende. Katja berichtet: „Wir sind wandern gegangen, es gab Partys mit verschiedenen Mottos und Tagesausflüge. Dafür brauchte man eine Membership-Karte für 5 €.

 

Zwischenfazit

Ein Auslandssemester erfordert Planung und Organisation, aber es lohnt sich! Und keine Sorge vor dem Papierkram … Heimatuniversitäten stellen häufig Checklisten mit allen To-Dos und Fristen bereit.


Erasmus+ Auslandspraktikum

Es gibt auch die Möglichkeit, ein Praktikum im Rahmen von Erasmus+ zu machen. So wie die btSlerin Lea Boten. Sie war für vier Monate an der Umeå Universität in Schweden.

 

Bewerbung: Plätze und Förderungen

Im Gegensatz zum Auslandssemester läuft die Bewerbung bei einem Auslandspraktikum anders ab. Entweder bietet Deine Uni Links zu Ausschreibungen an oder Du kannst Dir Deinen Praktikumsplatz selbst aussuchen. Bei der Beantragung von Fördermöglichkeiten solltest Du aufpassen, dass Dein Praktikum bestimmte Kriterien erfüllt. Frühzeitiges Planen (mind. 6 Monate vorher) lohnt sich.

Leas Bewerbungsprozess sah z. B. so aus: Ich habe mich bei der Arbeitsgruppe mit einem Anschreiben beworben. Zusätzlich musste ich einen tabellarischen Lebenslauf, eine Kurzzusammenfassung meiner Laborkenntnisse, ein englischsprachiges ‚Transcript of Records‘ und ein Bild von mir einreichen. Nachdem ich die Zusage hatte, musste ich das Learning Agreement von meiner gastgebenden Chefin und meiner heimischen Erasmus+ Ansprechpartnerin unterschreiben lassen.

Versicherungen und Finanzen: Das musst Du nachweisen

Ähnlich wie beim Auslandssemester waren auch bei Lea Auslandskranken- und Haftpflichtversicherung notwendig. Lea hat diese über die Organisation DAAD abgeschlossen und kann das nur empfehlen! Eine weitere Gemeinsamkeit mit dem Erasmus+ Auslandssemester sind die Fördermöglichkeiten: „Die Erasmusgelder sind nach Ländern gestaffelt. In Schweden bekam man aufgrund der hohen Lebenserhaltungskosten ca. 450 € monatlich. Dabei ist zu beachten, dass 2/3 des Geldes am Beginn und 1/3 nach dem Ende des Aufenthalts ausgezahlt werden und die Förderung an Bedingungen geknüpft war.“ Voraussetzungen waren, dass Lea einen Erfahrungsbericht schreiben, auf einer Sprachplattform Kurse besuchen und einen Sprachtest (Englisch) bestehen musste.

 

Arbeitsalltag und Atmosphäre: Ins kalte Wasser geschmissen

Anders als beim Auslandssemester gibt es bei Praktika i.d.R. keine Welcome Days. Lea wurde am ersten Tag allen Kollegen und Kolleginnen vorgestellt, durchs Labor geführt und fing dann direkt an, zu arbeiten. „Ich hatte das Gefühl, bereits nach kurzer Zeit gut in die Arbeitsgemeinschaft aufgenommen zu sein. Die Uni und Stadt mögen einem vom Namen her nicht unbedingt ein Begriff sein, aber sie hat echte Perlen der Forschung – insbesondere im Bereich der Virologie.

 

Wohnsituation: Airbnb schafft Kontakt mit Einheimischen

Auch für Praktikanten sind die internationalen Wohnheime im Gastland offen. „Eigentlich gab es ein internationales Wohnheim, wo es normalerweise auch kein Problem ist, unterzukommen. Aufgrund von Corona klappte das bei mir leider nicht. Ich habe dann in Airbnb-Langzeit-Rentals gewohnt. Diese Art zu wohnen, war etwas teurer. Ich hatte aber wirklich tolle Unterkünfte und super Gastgeber, von denen ich einiges über das Leben der Schweden gelernt habe.

 

Zwischenfazit

Ein Auslandspraktikum mit Erasmus+ bietet eine großartige Möglichkeit, praktische Erfahrungen im internationalen Kontext zu sammeln und fachlich zu wachsen!


Auslandspraktika via IAESTE, RISE worldwide und DAAD

Neben dem Erasmus-Praktikum gibt es weitere Organisationen, die Dir ermöglichen, praktische Erfahrung im Ausland zu sammeln. Falls Dir die Namen noch kein Begriff sind, dann schau doch mal auf der Website vom DAAD, IAESTE oder RISE worldwide vorbei. Bei allen drei Organisationen gibt es Ausschreibungen von Praktikumsplätzen. Entweder von den Organisationen selbst oder in Kooperation mit einer Institution aus dem Ausland.

 

Bewerbung und Finanzen

So war es zum Beispiel bei Katja der Fall. Sie hat für drei Monate ein Auslandspraktikum in London, Ontario, Kanada, an der Western University im Labor von Prof. Dr. Grbic gemacht. Das Auslandspraktikum lief über eine Kooperation mit dem DAAD und der kanadischen Organisation Mitacs. Was die Bewerbung anging, so musste Katja „neben dem Notenspiegel ebenfalls ein Empfehlungsschreiben und später einen Nachweis der Krankenversicherung, Kostenübernahme, Anerkennung der Forschungsinstitution im Ausland und ein Statement über meine Immatrikulation und wie das Forschungsgebiet in meinen Studienplan passt“ einreichen. „In Kanada bezahlt man unabhängig davon immer auch an der Uni für die uni-eigene Krankenversicherung.“ Im Gegensatz zum Auslandssemester erinnert sich Katja, dassdas Praktikum vom DAAD auch relativ gesehen besser gefördert wurde. Trotzdem würde ich sagen, habe ich auch ein wenig selbst dazu zahlen müssen.

Auch Steffi, die ein 3-monatiges Praktikum in Sevilla, Spanien, am Forschungsinstitut „Instituto de Recursos Naturales y Agrobiología de Sevilla“ absolviert hat, konnte sich ihr Auslandspraktikum über den DAAD bezuschussen: „Meinen Spanienaufenthalt habe ich über RISE worldwide organisiert und ein DAAD-Vollstipendium inkl. Reisekostenzuschuss bekommen. Das Vollstipendium des DAAD war in der Höhe an den BAföG-Höchstsatz angelehnt. Ich war sehr mit der Förderung zufrieden.

Steffi hat neben Spanien aber auch noch ein 3-monatiges Auslandspraktikum in Manipal, Karnataka, Indien gemacht. Dort hat sie am Manipal Institute of Technology (MIT) gearbeitet. Warum sie sich ausgerechnet für ein weiteres Praktikum und nicht für ein Auslandssemester entschieden hat, erklärt sie folgendermaßen: „Mit einem Auslandspraktikum wollte ich den Aspekt der beruflichen Weiterentwicklung und das Entdecken eines fremden Landes erkunden. Außerdem kam für mich ein Auslandsaufenthalt für ein ganzes Semester eher nicht in Frage aufgrund der Dauer.

Ihren Indien-Aufenthalt hat sie dann über IAESTE organisiert und wurde vom MIT in Manipal für ihre Arbeit bezahlt. „Mein Gehalt in Indien war ein gutes Gehalt für einen Praktikanten für indische Preise. Aber da in Deutschland alles viel mehr kostet, konnte ich meine Fixkosten in Deutschland (Miete, Krankenversicherung etc.) nicht damit decken. Hätte ich keine Fixkosten in Deutschland gehabt, wäre es aber genug Geld gewesen, um in Indien klarzukommen. Ich brauchte zudem kein indisches Konto, weil das Gehalt in bar ausgezahlt wurde.

Der Bewerbungsprozess des IAESTE ist ein bisschen anders als der des DAAD: „Ich musste mich von Oktober bis spätestens Mitte Januar vorläufig auf der Exchange-Plattform von IAESTE bewerben. Dafür waren nur ein englischer Lebenslauf, ein Transcript of Records, eine gültige Immatrikulationsbescheinigung und ein Sprachzeugnis über die englische Sprache nötig. Als Sprachnachweis reicht hier auch erstmal das Abiturzeugnis. Nach der vorläufigen Bewerbung bekommt man eine Liste mit Praktikastellen und kann sich dort seine Favoriten raussuchen. Das IAESTE-Lokalkomitee setzt sich dann auf einer Tauschkonferenz dafür ein, dass Du Deinen Favoritenplatz bekommst. Dir wird im besten Fall ein Praktikum von Deiner Favoritenliste vorgeschlagen. Für das musst Du Dich dann nochmal konkret bewerben und Nachweise für alles vorbringen, was in der Ausschreibung gefragt wird. Die Frist für die zweite richtige Bewerbung bei Deinem potenziellen Arbeitgeber ist ca. Ende März. Mit der Planung eines Auslandspraktikums sollte man daher im besten Fall ca. 1 Jahr vorher anfangen, um sich die verschiedenen Organisationen und Möglichkeiten anzuschauen und genügend Zeit zu haben, um die Fristen einzuhalten. Besonders Acht sollte man auf einen Termin für ein Sprachzeugnis legen. Termine für einen Online-TOEFL-Test bekommt man recht schnell, kosten aber ca. 200 €. Es gibt aber auch spezielle DAAD-Sprachtests, die wenig bis nichts kosten, aber die Termine müssen frühzeitig angefragt werden. Für den Indienaufenthalt habe ich zudem zwingend eine Auslandskrankenversicherung gebraucht. Aber der DAAD bietet da eine sehr umfassende und billige Variante für IAESTE-Praktikanten an.

Die btSlerin Emelie Luise Fischer hat ebenfalls ein Forschungspraktikum über RISE erhalten. Sie war 3 Monate in Örebro, Schweden, und hat im „Man-Technology-Environment Research Centre“ gearbeitet. Zum Bewerbungsverfahren erinnert sie sich wie folgt: „Der Bewerbungszeitraum für das RISE Worldwide Programm ist jedes Jahr ungefähr von Mitte Oktober bis Mitte/Ende November. Bei der Bewerbung auf das RISE-Worldwide-Programm beim DAAD kann sich jede Person bei bis zu 3 Forschungsprojekten bewerben. Es gibt eine Online-Plattform des DAAD, über die man die benötigten Unterlagen hochladen konnte. Es wurden die Immatrikulationsbescheinigung, mein Lebenslauf, eine Übersicht der Noten (auf Englisch), eine Liste der Module, die für die jeweiligen Projekte relevant sind, ein Motivationsschreiben pro Projekt, ein Englisch-Sprachnachweis und ein Empfehlungsschreiben eines Dozenten benötigt.“ V.a. für das Empfehlungsschreiben und den Englischtest empfiehlt Emelie genügend Vorlaufzeit. Letzterer muss übrigens kein teurer TOEFL-Test sein. Es gibt einen Englisch-Bewertungsbogen des DAAD, den man nach einem Gespräch auf Englisch durch das International Office der Heimatuni ausfüllen lassen kann.

Auch Emelie erhielt vom DAAD eine finanzielle Förderung, die auf die jeweiligen Lebenshaltungskosten im Land abgestimmt war. Zusätzlich hat der DAAD das Thema Versicherungen übernommen und Emelie über einen Gruppenvertrag gegen Krankheits-, Unfall- und Haftpflichtrisiken versichert.

 

Wohnen: Mal so, mal so

Bei der Unterkunft war Emelie jedoch mehr auf sich allein gestellt. Sie hat zwar Tipps von ihrem Praktikumsbetreuer für die Wohnungssuche erhalten, aber z. B. keine Unterkunft vom DAAD gestellt bekommen. Im Endeffekt hat aber alles gut geklappt: „Ich habe über das Housing-Office der Universität in Örebro nach Wohnungen gesucht. Es gibt verschiedene Häuser, in denen sich einzelne Wohnungen oder auch WGs befinden, die an Studenten oder Gastwissenschaftler vermietet werden. Ich habe mir dann ein Zimmer in einer WG gemietet, die sich in einem Studentenwohnheim befand. Auf meinem Mietvertrag habe ich auch eine Unterschrift meines Praktikumsbetreuers benötigt. Ansonsten gab es nichts zu beachten.“ Eine Anmeldung bei der Stadt als „neue Bürgerin“ war zudem für Emelies Aufenthalt nicht nötig.

Eine ähnliche Erfahrung hat Steffi in Spanien gemacht: „Ich habe mir selbst eine Unterkunft suchen müssen und habe mit Alumni.net eine gute Organisation gefunden, die Wohnungen an Studierende vergibt. Die Suche war gar nicht so schwer und preislich war mein WG-Zimmer ähnlich zu meinem Wohnheimzimmer in Deutschland. Ich habe keine Hilfe von RISE oder meinem Chef bekommen, was aber auch nicht nötig war. Ich brauchte keine besondere Anmeldung als ‚neue Bürgerin‘ bei der Stadt, keine zusätzlichen Konten oder Versicherungen.

In Indien jedoch hatte Steffi dank IAESTE beim Thema Wohnungssuche keinerlei Arbeit gehabt: IAESTE hat sich komplett um meine Unterkunft in einem der besten Wohnheime in Manipal gekümmert und übernahm auch die Kosten. Ich musste nichts weiter unterschreiben oder organisieren.

 

Zwischenfazit

DAAD, RISE und IAESTE bieten hervorragende Alternativen zu Erasmus – oft mit besserer Förderung und organisatorischer Unterstützung. Wichtig ist frühzeitige Planung (1 Jahr Vorlauf), besonders für Sprachtests und Reiseimpfungen. Wer bereit ist, den mehrstufigen Bewerbungsprozess durchzustehen, wird mit wertvollen internationalen Praxiserfahrungen belohnt – fachlich wie kulturell!


Auslandsstudium

Während man bei Praktika und Auslandssemestern nur einen Teil seines Studiums in einem fremden Land verbringt, erlebt man bei einem internationalen Studium die gesamte Studienzeit im Ausland.

 

Master

Der btSler Johann Liebeton hat seinen Master in Dänemark gemacht und berichtet Folgendes: „Ich […] war insgesamt zwei Jahre in Kopenhagen für meinen Master. Dort habe ich an der Universität Kopenhagen und der Copenhagen Business School Business Administration und Bio-Entrepreneurship studiert. Meinen Aufenthalt habe ich selbstständig organisiert und mich um Stipendien beworben, was mir finanzielle Freiheit gab.

 

Bewerbung und Planung: Der frühe Vogel …

Für die Bewerbung musste ich eine Immatrikulationsbescheinigung/Notenschnitt, ein Motivationsschreiben und einen Sprach- und Identitätsnachweis einreichen. Die Fristen waren großzügig bemessen, und ich empfehle, mindestens neun Monate im Voraus mit der Planung zu beginnen.

 

Ankommen und Studieren: Einzigartige Chancen

Mein Ziel war es, Bio-Entrepreneurship zu studieren, was in Deutschland nicht angeboten wird. Der Aufenthalt hat mir beruflich und persönlich viel gebracht. Die Universität Kopenhagen und die Stadt kann ich sehr empfehlen. Es gab Welcome Days, bei denen uns ältere Studierende eine Einführung gaben. Ich habe meinen Stundenplan flexibel zusammengestellt und empfehle, frühzeitig mit der Planung zu beginnen. Die Unterrichtssprache war Englisch, der Kurskatalog aktuell und die Anmeldung zu den Kursen unkompliziert. Die Prüfungen waren oft mündlich, was ich als positiv empfand.

 

Praktisches: Wohnen und Behörden

Ich habe eine private Unterkunft gefunden, die teurer war als in Deutschland. Die Suche nach einer Unterkunft war nicht einfach. Die Anmeldung bei der Stadtverwaltung war digital und unkompliziert. Ein inländisches Bankkonto und eine inländische Telefonnummer sind hilfreich, brauchen aber einige Zeit, bis man es trotz digitaler Beantragung bekommt.

 

Zwischenfazit

Wer gerne einen in Deutschland nicht verfügbaren Studiengang studieren möchte, sollte ruhig den Blick ins Ausland werfen. Hier kann man nicht nur fachlich, sondern auch persönlich im internationalen Umfeld wachsen.

 

Externe Masterarbeit

Nach meinem Erasmus-Semester war ich so begeistert von Ghent, dass ich für meine Masterarbeit zurückkehren wollte. Noch vor Ort kontaktierte ich meine Professorin aus dem Kurs „Physiological Regulation in Plants“ und fragte, ob ich bei ihr schreiben könnte. Nach Zusendung meiner Bachelorarbeit und meines aktuellen Transcript of Records sagte sie zu – der Rest lag nun bei mir.

 

Die Planung: Hürden der deutschen Bürokratie

In meinem Masterstudiengang waren zwei Labrotations (7-wöchige Laborpraktika) vor der Masterarbeit (MA) vorgeschrieben. Die MA durfte nur in einem der beiden Labrotation-Fachgebiete geschrieben werden. Also entschied ich mich, meine zweite Labrotation in Ghent zu absolvieren und direkt mit der Masterarbeit anzuschließen.

Das International Office der Uni Göttingen stellte schnell fest: Keines der üblichen Programme (Erasmus+, DAAD) deckte mein Vorhaben ab. Das bedeutete mehr Eigenverantwortung, aber auch weniger bürokratische Hürden. Ein riesiger Vorteil: Ich kannte bereits die Ansprechpartnerin für internationale Biologiestudenten in Ghent und konnte vieles schnell per Mail klären.

Auf deutscher Seite wurde es komplizierter. Eine externe Masterarbeit war in Göttingen unüblich. Zuerst musste ich eine Professorin finden, die als Co-Betreuerin fungierte und für mein Vorhaben bürgte. Dafür musste ich von meiner Ghenter Professorin umfangreiche Unterlagen anfordern: Beschreibung des Forschungsschwerpunkts, akademischer Lebenslauf, Publikationsliste der letzten 1 – 2 Jahre und eine detaillierte Beschreibung des Lehrinhalts meiner Labrotation und Masterarbeit.

Vermutlich wollte Göttingen sicherstellen, dass das externe Niveau ebenbürtig ist – etwas unangenehm, da meine Ghenter Professorin eine Koryphäe ihres Fachs war.

Nachdem ich eine Göttinger Professorin fand, die mein Vorhaben unterstützte, musste diese ein Schreiben an den Prüfungsausschuss verfassen – und ich ein Motivationsschreiben. Beide Dokumente sollten den Aufenthalt in Ghent aus unterschiedlichen Perspektiven „rechtfertigen“. Und: Es klappte! Aber zwischen der Zusage aus Ghent und der finalen Genehmigung lagen knapp 3 Monate!

 

Learning Agreements und Einschreibung: Danke, Ghent!

Die LA-Vorlagen von der Uni Ghent füllte ich größtenteils selbst aus: Name und Ort des Labs, Ansprechpersonen, Dauer und Wochenarbeitszeit. Den Lehrinhalt ergänzte die Ghenter Professorin. Beide LAs mussten von den Professorinnen unterschrieben und an die jeweiligen International Offices geschickt werden. Für die Einschreibung in Ghent war ich erneut im Vorteil: Die mir vertraute Sachbearbeiterin immatrikulierte mich unkompliziert als „Guest Researcher“ – ganz ohne Studiengebühren. Das war nach dem Göttinger Aufwand eine willkommene Erleichterung!

 

Versicherung und Wohnung: Eine neue Herausforderung

Meine Haftpflicht- und Unfallversicherung bestanden weiter, nur bei der Krankenversicherung musste ich einen Top-up für Aufenthalte über 6 Monate buchen. Die Wohnungssuche war jedoch herausfordernd: Da ich keine klassische Austauschstudentin war, konnte ich mich nicht für Uni-Wohnheime bewerben. Airbnb war erfolglos und der private Markt voller Scam-Anzeigen. Zum Glück fand ich bei Upkot, einem privaten Studentenwohnheim, eine Lösung. Im Gegensatz zu klassischen belgischen Mietverträgen (mind. 2 Jahre, undurchsichtige Nebenkosten) boten sie exakt ein Jahr Laufzeit zu Studienbeginn – perfekt für mein Vorhaben! Nur leider etwas teuer…

 

Zwischenfazit

Eine externe Masterarbeit komplett selbst zu organisieren, war aufwändig, aber machbar. Mit ausreichend Vorlauf, guter Kommunikation und etwas Glück wurde es eine tolle Erfahrung!

 

Promotion

Der btSler Tim Langhorst hat seine Promotion drei Jahre lang an der ETH Zürich gemacht. Wie es dazu kam? Eher durch Zufall – sein Doktorvater wechselte in die Schweiz und Tim ging mit. Für die Einschreibung ins Doktoratsprogramm benötigte er sein Masterzeugnis und zwei professorale Empfehlungsschreiben. Finanziell war er durch sein Gehalt abgesichert und brauchte keine zusätzliche Förderung.

 

Ankommen und Vernetzen: So klappt’s

Ähnlich wie beim Auslandssemester gab es Welcome Days für neue PhD-Studierende mit allen wichtigen Infos zu organisatorischen Fragen und hilfreichen Ansprechstellen. Besonders wertvoll: der Austausch mit anderen Promovierenden, ein vom Lehrstuhl organisierter Study Buddy und zahlreiche Vernetzungsevents. Tim hatte sich z. B. auch vorgenommen, neue Kontakte in seinem Fachgebiet zu knüpfen: „Ich habe hier – vor allem durch mein erweitertes privates Netzwerk – deutlich bessere Einblicke in die Start-up-Welt bekommen und begonnen, mich dafür zu interessieren. Zudem habe ich sehr viel über die Schweizer Forschungslandschaft und Kultur gelernt und kann sowohl das Land als auch die ETH sehr weiterempfehlen.

Das Notensystem ist quasi das deutsche System umgedreht: 6 = sehr gut bis 1 = unterirdisch, bestanden ab 4. Die Besonderheit: Ein Semester wird entweder als Ganzesbestanden (Schnitt 4 oder besser) oder komplett wiederholt.

 

Wohnen und Behördengänge: Spontansein zahlt sich aus!

Bei einer Promotion ist man bei der Wohnungssuche meist auf sich allein gestellt, auch wenn die Uni ggf. unterstützt. Tim erinnert sich: Recht schwierig, aber machbar. Die meisten finden erst mal was zur Zwischenmiete und suchen dann vor Ort, weil Wohnungen hier oft sehr spontan vergeben werden und man flexibel sein muss, um an Besichtigungen teilzunehmen.“ Er fand schließlich ein WG-Zimmer über Online-Plattformen und Newsletter. Positiv: Küchen sind typischerweise vorhanden und gut ausgestattet, teilweise sind Wohnungen sogar voll möbliert.

Die Anmeldung bei der Stadtverwaltung war unkompliziert: „Einfach mit Mietvertrag, Arbeitsvertrag und Ausweis vorbeigehen. Dann gibt's einen Fototermin bei der Ausländerbehörde und der Ausweis wird zugeschickt. Die Menschen auf den Ämtern sind hier super hilfsbereit und lösungsorientiert.

 

Zwischenfazit

Tims drei Jahre an der ETH waren geprägt von wertvollen Kontakten und neuen Perspektiven. Seine klare Empfehlung: Die Schweiz und die ETH sind definitiv eine Reise wert!


Fazit

Du hast nun hoffentlich eine gute Übersicht über die verschiedenen Mobilitätstypen bekommen und kannst einschätzen, welcher Typ Dir am nächsten kommt. Aber kein Stress bei der Entscheidung! Das Studium ist lang genug, um auch mehrere Typen auszuprobieren – z. B. wie unsere btSlerin Katja, die im Bachelor sowohl ein Erasmus+ Auslandssemester als auch ein Auslandspraktikum gemacht hat und studiert jetzt ihren Master komplett im Ausland. Also keine Angst vor dem Papierkram. Sei mutig und trau Dich! Es wird sich lohnen!


Falls Du selbst btSler:in bist und von Deinem Auslandsaufenthalt auf unserem Blog berichten möchtest, dann schreibe eine Mail mit dem Betreff Karriereblog Auslandserfahrung an unsere AG Marketing. Wir freuen uns über jeden Erfahrungsbericht!

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Autorin

Carolin Krieger (M.Sc. Molecular Life Sciences) beschreibt ihr Auslandssemester in Belgien als die beste Zeit ihres Lebens. Damit auch Du so ein tolles Abenteuer erleben kannst, hilft sie Dir durch den Bewerbungsdschungel.

Folgende Personen haben ebenfalls mitgewirkt: : Emelie Luise Fischer, Johann Liebeton, Katja Gollas, Lea Boten, Stefanie Rudolph, Tim Langhorst