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Senior Consultant

Kurzbeschreibung zum Berufsbild

Als Senior Consultant berätst Du Unternehmen bei komplexen fachlichen oder strategischen Herausforderungen. Du unterstützt Projekte, entwickelst Lösungen in Diskussionen und Workshops, präsentierst Ergebnisse auf Management-Ebene und tauscht Dich mit deinen Kolleg:innen aus.

Berufsbilder-Interview

mit Florian Teutemacher, Senior Consultant

Welchen Abschluss hast Du? Hast Du eine Weiterbildung absolviert und/oder eine Zusatzqualifizierung erworben?

Ich habe einen Master in Biotechnologie. Bei uns an der Uni Münster war das ein Studiengang, der auch Module wie Projektmanagement und Patentrecht umfasst hat. Da hat man schon so ein bisschen eine BWL-Perspektive auf das Thema Biotechnologie bekommen. Meine Forschung an sich war aber sehr grundlegend (Molekulargenetik in Pflanzen). Nichts davon ist jetzt heute noch irgendwie relevant in meinem Beruf. 

Natürlich habe ich mich während der Uni bei der btS ehrenamtlich engagiert und dort einige Projekte organisiert. Und was ich noch gemacht habe, ist ein Unternehmenspraktikum bei Bayer. Das war in dem Bereich Technologiebewertung und Innovationsmanagement. Da habe ich auch schon gemerkt, dass mir diese projektbasierte Arbeitsweise und die damit einhergehendeAbwechslung ganz gut gefällt. Du hast nicht den einen Job, den Du immer nach Protokoll machen musst, sondern es gibt verschiedene Projekte, verschiedene Themen. Das hat mir da schon sehr gut gefallen und deswegen habe ich mich auch dazu entschieden, später in die Beratung zu gehen.

Konkrete Weiterbildungen zum Thema habe ich nicht gemacht. Das war alles Training „on the job“. Es gab einen Monat lang Schulungen zu BWL-Sachen, die ich jetzt nicht aus der Uni kenne, und damit war ich dann auf dem Stand, der für den Job benötigt wurde.

 

Welche Berufserfahrung hast Du mitgebracht und wie bist Du letztendlich zu Deiner jetzigen Position gekommen? Warst Du auf Vitamin B an-gewiesen?  

Also, ich bin nach meinem Masterstudium bei der Boston Consulting Group (BCG) als Associate eingestiegen. BCG kannte ich über die btS, über einen Beitrag in den Short News (= vereinsinterner Newsletter). Da bin ich auf ein Einstiegsevent aufmerksam geworden und habe mich dann im Anschluss beworben. Es war also in dem Sinne kein Vitamin B. Ich kannte niemanden im Unternehmen. Ich kannte das Unternehmen, ehrlich gesagt, auch noch nicht so gut. Aber dieses Einstiegsevent hat mir dann eben gezeigt, was die machen, und dann habe ich mich entschieden, den Jobeinstieg dort zu machen.

Meinen jetzigen Arbeitgeber 3con Management Consultants GmbH kenne ich auch über die btS. Und zwar war diese Firma bei einem btS-Wochenende, das ich organisiert habe. 3con hat dort einen Workshop gegeben und da habe ich die Leute aus dem Unternehmen kennengelernt und schon gemerkt, dass das super nette Leute sind, mit denen ich mir vorstellen könnte, zusammenzuarbeiten. Und dann habe ich einfach meinen Kontakt da irgendwann angeschrieben: “Hey, sucht ihr gerade Leute? ich hätte Lust, bei euch zu arbeiten.” Und das hat dann geklappt.

 

Was machst Du bei Deiner täglichen Arbeit typischerweise?

Der Beratungsalltag ist einerseits sehr flexibel und andererseits sehr stark von dem Projekt abhängig, was Du machst. Wir arbeiten projektbasiert für Kunden, und in der Regel ist es eine Mischung aus verschiedenen Projekten, in denen Du gerade aktiv bist. Das heißt, ich kann zum Beispiel 10 % für den Kunden arbeiten und 20 % für einen anderen Kunden, bezogen auf die Wochenarbeitszeit. Und das kann dann bedeuten, dass Du gar nicht so eine typische Woche bzw. Arbeitstag hast, sondern dass das relativ flexibel ist. 

In der Regel ist es aber eine Mischung aus Kundenmeetings oder internen Meetings mit Vor- und Nachbereitung. Wir machen auch viele Workshops mit unseren Kunden. Wenn wir zum Beispiel ein neues Unternehmenskonzept mit dem Kunden ausarbeiten wollen, dann sind wir vor Ort und geben Workshops. Auch hier fällt natürlich Vor- und Nachbereitung an. 

Und ein größerer Block ist auch das Thema Kundenakquise, denn wir sprechen unsere Kunden quasi direkt an mit einem Lösungsvorschlag, den wir für sie parat haben. Wir wissen zum Beispiel, Kunde A hat gerade Probleme an einem bestimmten Standort. Dann gehen wir auf den Kunden zu und versuchen, uns zu verkaufen. Das ist auch immer eine relativ lange Vor- und Nachbereitung.

Insgesamt ist mein Tag also eine Mischung aus verschiedenen Elementen und es gibt keinen typischen Arbeitsalltag, keinen typischen Tagesablauf.

 

Welche Stärken und Fähigkeiten brauchst Du für Deinen Beruf (Soft und Hard Skills)? 

Ich würde auf jeden Fall sagen, es ist ein soft-skill-lastiger Beruf. Zum Beispiel ist Kommunikation super wichtig, weil Du mit verschiedenen Stakeholdern auf verschiedenen Ebenen kommunizierst. Du hast sowohl unternehmensintern mit Deinen Kolleg:innen und Teams, als auch auf der Kundenseite mit verschiedenen Hierarchieebenen zu tun. Zum Beispiel musst Du eine Präsentation für die Geschäftsführung vorbereiten oder mit Mitarbeitenden des Kundenunternehmens in einem Team arbeiten. Dort kommst Du quasi als Berater in ein bestehendes Unternehmensteam. Kurzum: Du musst ein Gespür dafür haben, wie Du mit den Leuten umgehen kannst, also auch ein bisschen Feingefühl mitbringen.

Praktische Hard Skills sind so Sachen, die man als Naturwissenschaftler während des Studiums mitbekommt. Also vor allem eine analytische Denkweise. Du musst in der Lage sein, Probleme zu identifizieren und benennen zu können. Du musst eine große Frage in kleine Fragen herunterbrechen und diese dann systematisch lösen können. Und genau das macht man als Wissenschaftler eigentlich in der täglichen Arbeit, man muss es dann nur ein bisschen abstrahieren können. 

 

Wie teilt sich Deine Zeit in Büroarbeit / Meetings / Laborzeit / Reiseanteil auf?   

Auch das ist ein bisschen projektabhängig, vor allem der Reiseanteil. Denn seit Corona ist es nicht mehr unbedingt üblich, dass Du beim Kunden vor Ort bist. Inzwischen kann man sehr viel auch im Homeoffice oder aus dem Büro heraus machen. Wenn ich jetzt mal so auf den Jahresdurchschnitt schaue, würde ich sagen, 40 % der Zeit sind Büroarbeit. Also, dass Du tatsächlich Aufgaben erledigst und Themen vor- und nachbereitest. 40 % sind dann Meetings und Workshops. Und dann 20 % Reiseanteil zu den Kunden vor Ort. Also zum Beispiel eine Fahrt zum Produktionsstandort oder Büro des Kunden. Wenn es gut läuft, dann kannst Du sogar auf der Zugfahrt arbeiten und Themen vor- oder nachbereiten. 

Wir haben auch alle 6 Wochen einen festen Termin, wo alle Kolleg*innen zum Büro kommen. Da machen wir dann zusammen Workshops oder tauschen uns einfach aus, was aktuell los ist. Das stärkt den Teamspirit. 

 

Wie flexibel kannst Du Dir Deine Zeit einteilen und gibt es Wochenend- oder Nachtarbeit?

Also, Wochenend- und Nachtarbeit stehen nicht an, zumindest in diesem Unternehmen. Es gibt natürlich, wie in jedem Job, stressige Phasen und weniger stressige Phasen. Aber im Jahresdurchschnitt sollte sich das ausgleichen. Wenn das nicht der Fall ist, dann gibt es irgendwo einen Fehler im System. Dann musst Du mit Deinem Chef/ Deiner Chefin überlegen, was Du priorisieren kannst, und es wird auch darauf geachtet, dass Du nicht zu viele Kunden hast und bei zu vielen Kunden unterwegs bist, denn sonst wird eine Woche einfach zu voll. 

 

Welche Tipps hast Du für alle, die sich auch vorstellen können, in Deinem Beruf zu arbeiten?

Ich würde auf jeden Fall empfehlen, irgendeine Art von Praktikum zu machen, denn vor allem Beratung in großen Unternehmen ist ein sehr spezieller Beruf, unter dem sich viele nicht so konkret etwas vorstellen können. Das konnte ich damals auch nicht. Sich ein Bild zu machen, ist meiner Meinung nach wichtig, denn es ist auf jeden Fall nicht für jeden was. Es gibt aber viele Beratungen, die sich auch auf Life Sciences fokussieren und Praktika anbieten. Die sind in der Regel projektbezogen, das heißt, es ist nicht immer der gleiche Zeitraum, in dem man das Praktikum absolvieren kann, sondern manchmal sind es vielleicht zwölf Wochen, manchmal sechs Monate. Da muss man ein bisschen Flexibilität mitbringen, aber dann lohnt es sich auf jeden Fall, da mal reinzuschnuppern. Und sei es nur, um dann festzustellen: “Das ist nichts für mich”. 

 

Gab es etwas, was Du bei der btS gelernt hast und das Dir im Job geholfen hat?

Ja, also ich muss sagen, meine btS-Erfahrung war im Bewerbungsprozess fast schon genauso wertvoll wie meine Studienerfahrung. Ich bin seit 2021 im Verein und habe am Anfang viel lokal gemacht in Münster. Das waren so kleinere Karrieremessen oder Firmenpräsentationen, bei denen wir verschiedene Start-ups eingeladen haben. Und dann später bin ich in den Bundesvorstand der btS gegangen und da war es dann noch viel mehr so eine so eine Art Managementposition. Da hatte ich viele verschiedene Themen, für die ich am Ende verantwortlich war und auch Entscheidungen treffen musste. Du hast aber keine Zeit, Dir überall alle Informationen selber anzueignen. Das heißt, Du musst mit anderen Leuten zusammenarbeiten. Du musst versuchen, schnell komplexe Probleme irgendwie zu verstehen und eine Entscheidung treffen zu können. Das sind auf jeden Fall Skills, die mir weitergeholfen haben. Und natürlich die tollen Unternehmen, die man beim btS-Wochenende kennenlernt! (*Zwinker*)

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Autorin

Carolin Krieger (M.Sc. Molecular Life Sciences) interessiert sich sehr für alternative Karrierewege neben dem Labor und der Forschung. Mit diesem Interview zeigt sie euch, was neben Jobs an der Uni sonst noch möglich ist.

 

Mitwirkende: Florian Teutemacher