Von Graffiti bis Comics
Ein Bericht vom Science Art Summit

Naturwissenschaften. Da fallen den meisten wohl die folgenden Buzzwords ein: Labor, Rationalität, Protokolle, Präzision. Kein Platz für Kreativität, richtig? Falsch gedacht.
Wissenschaftler beweisen jeden Tag aufs Neue ihre Kreativität. So ist z. B. der gesamte Trial-and-Error Prozess höchst kreativ. Funktioniert ein Experiment nicht, wird hier die Temperatur um 0,5 °C angepasst, dort etwas mehr Puffer verwendet oder die Inkubationszeit um 2 min variiert. Warum also diese Kreativität nicht für etwas anderes einsetzen?
2025 habe ich an dem Onlinewebinar Science Art Summit teilgenommen. Gehostet von Philipp Dexheimer haben fünf Wissenschaftler:innen ihre Arbeit als Science Artists und Communicators vorgestellt. Von Comics über Graffiti bis Videospiele. Jede:r Speaker:in war ein:e Expert:in auf ihrem Gebiet. So unterschiedlich ihre Arbeiten waren, so sehr brannten sie für eine gemeinsame Sache: Wissenschaft verständlich machen.
Als Molekularbiologin mit einer kreativen Ader hat mich das Seminar von Anfang an begeistert! Hier meine Learnings kurz und knapp auf den Punkt gebracht.
Was ist Science Art?
Science Art ist eine kreative Form der Wissenschaftskommunikation. Science Art kann dabei ganz verschiedene Formen annehmen:
- Graffiti
- Video-/Computerspiele
- Animationen/ Animationsfilme
- Covers für wissenschaftliche Paper
- Comics
- Illustrationen und Abbildungen für Kinder-, Sach- oder Schulbücher
- Abbildungen und Grafiken für wissenschaftliche Paper
Die Gemeinsamkeit aller Formate: komplexe Themen einfach, verständlich und kreativ vermitteln. Hier darf es auch mal bunt werden.😉
Wo und wie kann man als Science Artist arbeiten bzw. wie startet man?
Das Einfachste ist natürlich, wenn man Connections besitzt. Z. B., wenn Du ein PhD Student bist und gerade ein Paper bei einem Journal einreichst. Du kannst dann einerseits sämtliche Abbildungen für das Paper selbst gestalten und andererseits zusätzlich anfragen, ob die Herausgeber des Papers eventuell jemanden suchen, der das Cover der nächsten Ausgabe gestaltet. Aber auch als Bachelor- oder Masterstudent kannst Du Dein Science Art Talent ausleben! Frage z. B. in Deiner oder anderen Arbeitsgruppe nach, ob jemand Hilfe bei der Gestaltung einer Abbildung braucht. Gestalte zudem die Abbildungen in Deinen Fach- und Abschlussarbeiten selbst und biete auch Kommiliton:innen Deine Fähigkeiten an.
Ähnliche Möglichkeiten können sich innerhalb eines HiWi-Jobs oder Ehrenamts entwickeln. Natürlich fällt hier – je nachdem, was Du machst – der Kontakt zu einem wissenschaftlichen Journal schwerer. Abbildungen und Illustrationen für NGOs, lokale Fachzeitschriften oder die Unizeitung zu erstellen ist deswegen aber nicht weniger wert!
Gerade wenn Du am Anfang Deiner Science Art Karriere stehst, kommt es noch nicht darauf an, mit Deinen Diensten und Werken Geld zu verdienen. Es ist wichtig, sich erstmal eine gewisse Expertise aufzubauen und Arbeitsproben zu generieren. Zu üben, zu netzwerken, zu lernen. Auch kannst und solltest Du Deine Werke in irgendeiner Weise öffentlich machen. Z. B. über Social-Media-Kanäle (Instagram, LinkedIn, Bluesky, YouTube) oder Deine eigene Homepage (Disclaimer: eine simple WordPress Website ist vollkommen ausreichend). In Bewerbungsgesprächen kannst Du dann z. B. einfach auf Deine Website verweisen. So sehen Recruiter:innen oder Auftraggeber:innen, was Du kannst, und bekommen ein Gefühl für Deinen Stil. Selbst, wenn keines Deiner Werke bisher woanders als auf Deiner Website veröffentlicht wurde, Du zeigst, was Du draufhast. Und das ist bereits viel wert!
Welche Tools/ Programme kann man nutzen?
Neben dem Klassiker wie Photoshop, nutzten viele der Speaker:innen Procreate und Illustrator. Auch das Zeichnen auf dem iPad mit der App Sketchbook wurde sehr empfohlen. Nicht zuletzt haben einige Science Artists aber auch das simple Zeichnen mit Stift und Papier gelobt. Du siehst also: Es gibt nicht DAS Tool. Jedes Tool hat seine Vorteile. Am Ende kommt es darauf an, womit Du am besten zurechtkommst und kreativ werden kannst!
Übrigens: Es gibt viele verschiedene (kostenlose) Webinare und Kurse zu den o.g. Tools und SciComm generell. Sei es an der Uni, der Volkshochschule oder online via LinkedIn, Skillshare oder FutureLearn. Nutze diese Angebote, um Dich weiterzubilden und um Deine Fähigkeiten zu verbessern.
Extra: die Top 7 Tipps der Profis
- Create, no matter what! – Zeichne, entwerfe, kreiere, selbst wenn Du dafür nicht bezahlt wirst oder einen Auftrag hast. Hauptsache Du kommst ins Machen.
- Find your niche! – Such Dir ein, max. zwei Themen(-schwerpunkte) aus, die Dich wirklich interessieren und konzentriere Dich darauf!
- You can do both! – Wenn Du sowohl für das Labor brennst als auch WissKomm, musst Du Dich nicht zwangsweise zwischen den beiden Karrieren entscheiden. Du kannst beides machen und je nach Kapazitäten und Laune mal das eine und mal das andere mehr in den Vordergrund stellen!
- Work with passion! – Nehme nur Aufträge an oder initiiere Projekte, hinter denen Du wirklich stehst. Andernfalls stellen sich schnell kreative Durststrecken ein.
- Work-Life-Balance! – Achte auf Ausgleich. In der Science Art Szene ist es üblich, dass man als Freelancer arbeitet. In diesem Fall lebst Du von Aufträgen. Achte aber darauf, dass Du Dich nicht mit Projekten überlädst!
- Be brave! – Aller Anfang mag schwer sein. V.a. wenn man seine Kunst als etwas sehr Persönliches ansieht und Angst vor Kritik und Ablehnung anderer hat. Wichtig: Kunst ist subjektiv. Es wird immer Leute geben, denen Deine Werke mehr gefallen und Leute, denen Deine Werke weniger gefallen. Das sollte Dich trotzdem nicht davon abhalten, der Welt Dein Talent zu zeigen!
- You don’t have to be an artist! – Man muss kein Vollblutkünstler sein, um Science Art zu schaffen. Viele Artists arbeiten mit grafischen (Vektor-)Programmen. Im Prinzip zählen nur Deine Kreativität und Leidenschaft für das Thema!
Mein Fazit
Science Art ist weit mehr als nur wissenschaftliche Abbildungen für Paper zu entwerfen. Es ist bunt, es ist laut, es ist kreativ.
Dieses Webinar hat mir die Augen geöffnet. Es hat mich motiviert, meine eigenen Werke zu entwerfen – unabhängig davon, ob sie in einem Paper gepublisht werden.
Wie geht es Dir? Willst auch Du Science Artist werden?

Carolin Krieger (M.Sc. Molecular Life Sciences) mag nicht nur die Naturwissenschaften, sondern auch zeichnen, Basteln, Designen. Sie nimmt regelmäßig an Seminaren oder Weiterbildungen zum Thema Wissenschaftskommunikation teil und teilt hier ihre Erfahrungen mit euch.